Einführung Antisemitismusbericht 2017

In Arosa fordert ein Schild an einem Hotelpool ausschliesslich  Juden auf, vor dem Baden zu duschen, unter der Bundeshauskuppel vergleicht ein Nationalrat Tiertransporte mit den Deportationen nach Auschwitz: Diese beiden Vorfälle haben im Berichtsjahr 2017 weit über die Grenzen der Schweiz hinaus für Schlagzeilen gesorgt.

Beiden Fällen gemein waren ein grosses Mass an Gedankenlosigkeit und ein Mangel an Sensibilität. Dadurch wurden Jüdinnen und Juden in ihrem Empfinden verletzt; teilweise haben die Vorfälle auch unmittelbar antisemitische Ressentiments ausgelöst. Sowohl der Nationalrat als auch die verantwortliche Hotelmitarbeiterin entschuldigten sich für ihre Fehltritte. Bei beiden Vorfällen stellt sich aber natürlich die Frage, wie so etwas heute noch passieren kann.

Doch so erstaunlich es klingt: Beide Vorfälle hatten auch positive Auswirkungen. Nach dem Holocaustvergleich im Bundeshaus entbrannte eine differenzierte mediale Debatte darüber, warum solche Vergleiche inakzeptabel sind. Nach dem Vorfall in Arosa nahmen manche Medien das Thema Antisemitismus ausführlich auf. Auch war dieses Geschehnis der Auslöser für Sensibilisierungstreffen für die Tourismusbranche, die der SIG u.a. in Arosa durchführte. Dass die Gesellschaft über den alltäglichen Antisemitismus informiert wird, ist bitter nötig. Ebenso, dass mehr in die Prävention investiert wird.

Auch wenn diese beiden Geschichten am meisten Schlagzeilen gemacht haben, waren es ganz andere Vorfälle, die uns am meisten beunruhigt haben. Vorfälle, von denen in den Medien nichts zu lesen war. Sorgen macht es uns, wenn ein Rabbiner in Zürich am See aus dem Nichts antisemitisch beschimpft und tätlich angegriffen wird.  Wenn ein 12-jähriges Mädchen von ihren Mitschülerinnen als „Scheissjude“ betitelt wird. Wenn in Baden ein Mann mit Kippa von einer Gruppe Jugendlicher umringt, angespuckt und als „Judensau“ beschimpft wird. Wenn eine jüdische Familie in Basel eine ganze Reihe übelster antisemitische Bücher per Post kriegt, obwohl sie diese Bücher natürlich nie bestellt hat.

Das sind nur ein paar wenige von Dutzenden Vorfällen, die im Jahr 2017 registriert worden sind. Der Antisemitismusbericht zeigt, dass auch 2017 antisemitische Einstellungen zur Tat motivierten. Solche Vorfälle gehen die ganze Gesellschaft an – nicht nur die jüdische Gemeinschaft. Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen die Stimme gegen Antisemitismus und Rassismus erheben.

Einer, der die Stimme sehr laut erhebt, ist der Rapper, Moderator und Kolumnist David Kohler alias Knackeboul. Knackeboul kommentiert auf allen Kanälen immer wieder öffentlichkeitswirksam das Zeitgeschehen und nimmt pointiert Stellung zu Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Verschwörungstheorien. Mit seinen klaren Ansagen schafft er sich nicht nur Freunde. Für uns mehr als Grund genug, den vielseitigen Künstler für den neuen Antisemitismusbericht zu interviewen.  

Sabine Simkhovitch-Dreyfus
Vizepräsidentin SIG
Pascal Pernet
Präsident GRA